Das Gerät kam als Testmuster von ROTHENBERGER Industrial zu uns in die Redaktion. Ausgepackt, zusammengeschraubt und danach über mehrere Wochen im Einsatz. Wir schildern hier, was uns dabei aufgefallen ist. Die Bewertung ist unabhängig entstanden, der Hersteller hatte weder Einfluss auf die Note noch auf diesen Text.
Aufbau und erster Eindruck
Der Anwärmbrenner kommt zweiteilig. Brennerkopf und Brennerrohr werden miteinander verschraubt, danach kommt der Schlauch ans Griffstück und an den Regler der Gasflasche. Werkzeug braucht es dafür nicht, eine Rohrzange für den festen Sitz der Verschraubung schadet aber nicht. Wer schon einmal ein Abflammgerät aufgebaut hat, ist in wenigen Minuten fertig.
Auffällig ist das Gewicht am vorderen Ende. Der Brennerkopf ist randverstärkt und massiver als bei den einfachen Blechbrennern, die man für zwanzig Euro bekommt. In der Hand fühlt sich das solide an, beim langen Arbeiten über Kopf würde es schwerer wiegen. Für Bodenarbeit spielt es keine Rolle.
Die technischen Daten aus dem Datenblatt
| Artikelnummer | 1500004926 |
| Flammentemperatur | bis 1.060 °C |
| Gasdruck | max. 4 bar, 8 kg/h |
| Brennerkopf | geschlossen, Ø 60 mm, mit Flammenstabilisator |
| Gasschlauch | 5,0 m, G 2 x 3/8" L, nach DIN 4815-1 und DIN EN 1327 |
| Gasführende Teile | Messing |
| Gewicht | 2,02 kg |
| Verpackungsmaß | 445 x 145 x 85 mm, zweiteilig zerlegt |
| EAN | 4004625569467 |
Zwei Angaben verdienen einen zweiten Blick. Die gasführenden Teile bestehen aus Messing, nicht aus verzinktem Stahl oder Kunststoff. Messing korrodiert an Gasanschlüssen deutlich langsamer, und genau dort sitzt bei billigen Geräten nach zwei feuchten Wintern im Schuppen das Problem. Der geschlossene Brennerkopf mit 60 mm Durchmesser trägt einen Flammenstabilisator. Der sorgt dafür, dass die Flamme bei Wind nicht flattert, was den Verbrauch senkt und das Arbeiten an Kanten präziser macht.
Praktisch fanden wir außerdem, dass sich das Gerät in zwei Teile zerlegen lässt. Der Karton misst nur 44,5 cm, das Ganze passt also in eine normale Schublade in der Werkstatt statt sperrig in der Ecke zu stehen. Mit gut zwei Kilo ist es kein Leichtgewicht, aber für ein Gerät dieser Klasse völlig im Rahmen.
Der Praxistest im Hof und im Garten
Wir haben uns eine Hofeinfahrt mit Pflasterfugen vorgenommen, dazu einen Plattenweg und eine Terrassenkante, an der jedes Jahr Moos steht. Alles Flächen, an denen sonst mit dem Fugenkratzer gearbeitet wird. Die Gasflasche stand dabei an einer Stelle, wir sind mit den fünf Metern Schlauch drumherum gelaufen, ohne sie zu bewegen.
Die Arbeitsweise ist unspektakulär und genau das ist der Punkt. Brenner an, wenige Sekunden über das Unkraut halten, weiter zur nächsten Stelle. Es sieht dabei so aus, als würde nichts passieren, die Pflanzen stehen nach der Behandlung noch. Zwei bis drei Tage später sind sie braun und lassen sich abkehren. Wer erwartet, dass Unkraut sofort verschwindet, arbeitet zu lange an einer Stelle und verschwendet nur Gas.
An der Terrassenkante ging es um Moos in einer schmalen Fuge. Hier zeigt sich, warum die Bauform mit dem 60 cm langen Rohr und der kurzen Biegung praktisch ist. Man kommt in einem aufrechten Stand an die Fuge, ohne sich zu bücken oder das Gerät zu verkanten.
Wo der Piezo 60 die anderen abhängt
Die Piezo-Zündung ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Bei den günstigen Brennern im Vergleich zündet man mit einem Stabfeuerzeug an der Düse. Das klappt, ist aber im Wind mühsam und man muss dafür jedes Mal in die Hocke. Beim Piezo 60 bleibt man stehen und drückt den Knopf am Griff. Über eine Stunde Arbeit summiert sich das.
Ähnlich verhält es sich mit der fixierten Pilotflamme. Zwischen zwei Fugen bleibt die kleine Flamme stehen und man holt sich die volle Leistung über das Dreiwegeventil zurück. Ohne diese Funktion hat man die Wahl zwischen dauerhaft voller Flamme und ständigem Neuzünden. Beides kostet Gas oder Nerven.
Der Zweikomponentengriff ist kein Marketingpunkt, sondern spürbar. Blanke Metallgriffe werden bei längerer Arbeit unangenehm, hier bleibt die Hand entspannt.
Piezo 60 oder das größere Rothenberger-Modell?
In unserem Vergleich steht auf Platz zwei ein weiteres Gerät desselben Herstellers, der Rothenberger Industrial Anwärmbrenner mit der Note 1,6. Das ist kein Zufall, beide Geräte kommen aus derselben Fertigung und teilen sich die Grundkonstruktion. Die Frage ist also berechtigt, welches der beiden man nehmen sollte.
Beide erreichen 1.060 Grad, beide bringen fünf Meter Schlauch mit und beide arbeiten mit demselben 60 cm langen Brennerrohr. Der Unterschied liegt in der Ausstattung und im Preis. Das größere Modell kostet rund 54 Euro, der Piezo 60 liegt bei etwa 38 Euro. Wer die Piezo-Zündung nicht braucht, weil ohnehin immer ein Feuerzeug in der Tasche steckt, fährt mit dem Schwestermodell gut und bekommt einen bewährten Klassiker.
Für alle anderen ist der Piezo 60 der bessere Kauf. Er ist günstiger, zündet bequemer und hat den moderneren Brennerkopf mit Lufteinlass. Deshalb steht er bei uns vorne und das ältere Modell knapp dahinter. Ein Fehlkauf ist keines der beiden.
Sicherheit im Umgang
Ein Punkt, der in keinem Test fehlen darf: Ein Abflammgerät ist eine offene Flamme mit über tausend Grad. In der Nähe von Hecken, Holzzäunen, Rindenmulch und trockenem Gras hat es nichts verloren. Wir haben immer einen Eimer Wasser danebenstehen gehabt und die behandelten Flächen nach der Arbeit noch einmal abgegangen. Bei Trockenheit im Hochsommer gilt in vielen Gemeinden ohnehin ein Verbot für offene Flammen im Freien, das sollte man vorher prüfen.